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Kraakerin hat 70-jähriges Jubiläum der CDU-Mitgliedschaft

Ein bewegtes Leben in der Union

Mit 98 Jahren hat man schon so einiges mitgemacht. Auch Maria Kohl aus Kraak hat den Lauf der Geschichte hautnah miterlebt. Als Aussiedlerin kam sie 1946 nach Mecklenburg. Vom Wohnen auf engstem Raum in Zimmern von Fremden bis zum eigenen Häuschen waren von der jungen Mutter viel Durchhaltevermögen und Fleiß gefordert. Doch Engagement und Anpacken zeichneten Maria Kohl schon immer aus. So trat sie auch zu schwierigen Zeiten im Jahr 1950 in die CDU ein und blieb der Partei bis heute treu.

Catharina Haenning, Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Lewitzrand, übergab Urkunde und Ehrenmedaille zum 70-jährigen Jubiläum als CDU-Mitglied an Maria Kohl (v.l.n.r.). (Foto: Helga Karp)

Geboren im heutigen Tschechien bekam die Familie von Maria Kohl 1946 die Mitteilung, dass sie ausgesiedelt werden sollen. „Pro Person durften 50 Kilogramm Gepäck mitgenommen werden. Und der Kinderwagen“, erinnert sich die heute 98-Jährige. Die damals junge Frau war zu dieser Zeit Mutter einer Tochter, ihr Mann war als Soldat im Osten. Mit Eltern, Bruder und Tante ging es in einem Sammelzug Richtung Westen über Sammellager bis Hagenow. Mit dem LKW kamen die Aussiedler dann in die Umgebung. Maria Kohl und ihre Familie wurden in das kleine Dorf Kraak südlich von Schwerin gebracht. „Unsere Familie wurde einer Frau mit fünf Kindern zugeteilt. Ihr Mann war umgebracht worden, sie lebte selbst in bescheidenen Verhältnissen. Obwohl bei ihr schon eine Flüchtlingsfamilie einquartiert war, musste für uns ein großes Zimmer bereitgestellt werden“, berichtet Maria Kohl. „Im Kraaker Sägewerk wurden für uns einfache Bettgestelle hergestellt und Stroh diente als Unterlage.“

Doch nicht nur die Unterbringung war für heutige Verhältnisse unvorstellbar: „Mit der Ernährung war es schwierig. Die mit Marken zugeteilten Lebensmittel waren sehr knapp bemessen, so dass man fast ständig Hunger hatte.“ Darum hätten einige Umsiedler Kartoffeln und Rüben von Bauern stehlen müssen. „Ich habe erlebt, dass eine Frau – Mutter von drei Kindern – wegen Mundraubs ausziehen musste. Sie wurde öffentlich gebrandmarkt. Das konnte sie nicht verkraften und hat sich das Leben genommen.“
Auch im religiösen Leben war der Anfang in der neuen Heimat nicht einfach. Die katholischen Aussiedler mussten lange Wege auf sich nehmen, um im evangelischen Mecklenburg Gottesdienste besuchen zu können. 1954 gründeten sie darum eine eigene Kirchgemeinde. Innerhalb eines Jahres bauten sie von Hand unter Einsatz aller – Kinder eingeschlossen – aus gespendetem Holz und abgetragenen Steinen von Ruinen eine kleine Kirche in Kraak.

Heute lebt Maria Kohl mit Tochter und Schwiegersohn im eigenen Haus mit Garten noch immer in Kraak. Ihre drei Enkelsöhne hat es mit den insgesamt acht Urenkeln in alle Teile Deutschlands gezogen.

Mitgliedsausweis von Maria Kohl

Als Mitglied in der CDU hatte Maria Kohl es nie auf große Ämter abgesehen. „Aber sie blieb der Partei treu, selbst wenn auch das gerade zu Zeiten der DDR sicher auch nicht einfach war“, würdigte Catharina Haenning als Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Lewitzrand das 70-jährige Jubiläum der Parteimitgliedschaft. Gemeinsam mit Helga Karp vom Landesvorstand der CDU übergab sie eine Urkunde und eine Ehrenmedaille. Sie überbrachten damit auch die herzlichen Glückwünsche der Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, des Landesvorsitzenden Michael Sack und des Kreisvorsitzenden Wolfgang Waldmüller.